Es gibt diese Momente im Mama-Alltag, die nach außen vielleicht wie ein normaler Wutanfall aussehen.
Ein Kind schreit.
Sachen fliegen.
Worte fallen, die mitten ins Herz treffen.
Und irgendwo dazwischen steht eine Mama, die versucht ruhig zu bleiben, obwohl in ihr selbst gerade alles bebt.
Bei uns passiert das manchmal, wenn mein Sohn vom Papa zurückkommt.
Eigentlich war der Tag schön. Er hatte Zeit mit seinem Papa. Der Opa war auch da. Es gab Eindrücke, Aufmerksamkeit, vielleicht sogar ganz viele schöne Momente.
Und dann hole ich ihn ab und wir fahren nach Hause. Ich hatte einen langen Arbeitstag und möchte nur nach Hause mit meinen Sohn.
Erst war alles normal. Wir haben mit Legosteinen gebaut. Und plötzlich ist da nicht einfach nur ein müdes Kind. Da ist ein kleiner Mensch, bei dem scheinbar alles gleichzeitig herausbricht.
Er ist wild. Laut. Launisch.
Bei Kleinigkeiten kippt die Stimmung.
Es wird geschimpft, geweint, geworfen.
Und dann kommt dieser Satz:
„Ich vermisse Papa.“
Oder manchmal auch:
„Du bist eine doofe Mama.“
Und ganz ehrlich?
Auch wenn ich weiß, dass er es in diesem Moment nicht wirklich so meint, tut es weh.
Denn als Mama steht man dann da. Man hat den Alltag getragen, organisiert, gearbeitet, gekocht, getröstet, erinnert, geplant und funktioniert. Und trotzdem ist man in diesem Moment scheinbar diejenige, bei der alles rauskommt.
Das kann unglaublich viel mit einem machen.
Man fragt sich:
Mache ich etwas falsch?
Warum ist mein Kind bei mir so wütend?
Warum bekommt Papa vielleicht die schöne Zeit und ich den Gefühlssturm danach?
Warum trifft mich dieser Satz so sehr, obwohl ich doch erwachsen bin?
Vielleicht kennst du solche Momente auch.
Vielleicht kommt dein Kind nach dem Papa-Wochenende zurück und ist wie ausgewechselt. Vielleicht ist es plötzlich anhänglich, frech, traurig, aggressiv oder völlig überdreht. Vielleicht sagt es Dinge wie: „Ich will wieder zu Papa“ oder „Ich vermisse Papa“ – und du spürst gleichzeitig Mitgefühl, Schmerz, Überforderung und diesen kleinen Stich im Mama-Herz.
Dieser Artikel soll dir helfen, genau diese Situationen besser zu verstehen.
Nicht, um Verhalten schönzureden.
Nicht, um alles hinzunehmen.
Sondern um dahinterzuschauen.
Denn manchmal ist ein Wutanfall nach dem Papa-Besuch nicht einfach nur Trotz.
Manchmal ist er ein Gefühlssturm.
Und manchmal zeigt dein Kind seine größten Gefühle genau dort, wo es sich am sichersten fühlt.
🌧️ Gefühlssturm
Wut · Traurigkeit · Vermissen · Überforderung · Müdigkeit
(Die Gefühle, die dich und dein Kind gerade vielleicht begleiten.)

🧠 Das steckt dahinter
Kindliches Gehirn · Bindung · Co-Regulation · Übergänge
Warum Kinder nach dem Papa-Besuch manchmal explodieren
Wenn ein Kind zwischen zwei Haushalten wechselt, passiert viel mehr als nur ein Ortswechsel.
Es wechselt nicht nur von einer Wohnung in die andere.
Es wechselt zwischen zwei Welten.
Vielleicht gibt es beim Papa andere Regeln. Einen anderen Tagesablauf. Andere Stimmen. Andere Erwartungen. Andere Gerüche. Andere Rituale. Andere Grenzen.
Und selbst wenn der Tag schön war, kann dieser Wechsel für ein Kind emotional anstrengend sein.
Kinder müssen sich ständig neu orientieren:
Wo bin ich gerade?
Was gilt hier?
Wer ist da?
Was darf ich?
Was wird von mir erwartet?
Für Erwachsene klingt das vielleicht klein. Für Kinder kann es riesig sein.
Besonders dann, wenn sie noch jung sind und ihre Gefühle nicht gut sortieren können.
Ein Kind kann Papa vermissen und gleichzeitig froh sein, wieder bei Mama zu sein.
Es kann einen schönen Tag gehabt haben und trotzdem überfordert sein.
Es kann Nähe wollen und gleichzeitig wütend werden.
Es kann schreien, obwohl es eigentlich Trost braucht.
Das ist für uns Erwachsene schwer auszuhalten, weil wir gerne eine klare Ursache hätten und den Grund dahinter verstehen wollen.
Aber Kindergefühle sind selten ordentlich sortiert.
Sie kommen nicht sauber beschriftet in kleinen Schubladen.
Sie kommen manchmal als Wut.
Als Tränen.
Als „Ich will zu Papa“.
Als „Du bist doof“.
Als Türknallen.
Als Spielzeugwerfen.
Als völliges Ausflippen wegen einer Kleinigkeit.
Und genau diese Kleinigkeit ist meistens gar nicht das eigentliche Problem.
Sie ist nur der Moment, in dem das innere Fass überläuft.
„Ich weiß gar nicht, warum ich wütend war“
Nach einem dieser Gefühlsstürme habe ich meinen Sohn gefragt, warum er eigentlich so wütend war.
Seine Antwort hat mich sehr berührt.
Er sagte:
„Ich weiß gar nicht, warum ich wütend war.“
Und genau dieser Satz hat bei mir etwas verändert.
Denn in diesem Moment wurde mir klar:
Er wollte mich nicht verletzen.
Er wollte nicht „schwierig“ sein.
Er wollte nicht absichtlich provozieren.
Er war selbst überrollt von seinen Gefühlen.
Kinder erleben Gefühle oft, bevor sie sie verstehen können.
Die Wut ist da.
Der Körper reagiert.
Die Stimme wird laut.
Die Hände werfen etwas.
Die Tränen kommen.
Und erst viel später, wenn wieder Ruhe eingekehrt ist, kann ein Kind vielleicht überhaupt darüber sprechen.
Oder eben sagen:
„Ich weiß es gar nicht.“
Und das ist ehrlich.
Denn manchmal wissen Kinder wirklich nicht, warum sie wütend sind.
Sie spüren nur: Da ist zu viel.
Zu viel Müdigkeit.
Zu viel Wechsel.
Zu viel Abschied.
Zu viel Aufregung.
Zu viel Vermissen.
Zu viel Anspannung.
Und dann entlädt sich alles dort, wo es sicher genug ist.
Bei Mama.
Gefühle brauchen einen sicheren Ort
So schwer es sich anfühlt: Wenn dein Kind bei dir zusammenbricht, laut wird oder all seine Gefühle herauslässt, kann das auch etwas mit Sicherheit zu tun haben.
Nicht immer natürlich. Und es bedeutet auch nicht, dass jedes Verhalten einfach okay ist.
Aber es kann bedeuten:
Bei dir muss dein Kind nicht mehr funktionieren.
Vielleicht hat es sich den ganzen Tag angepasst.
Vielleicht war alles schön, aber trotzdem aufregend.
Vielleicht hat es Gefühle zurückgehalten, weil es sie selbst nicht verstanden hat.
Vielleicht musste es sich zusammenreißen, ohne dass jemand es gemerkt hat.
Und dann kommt dein Kind nach Hause.
Zu dir.
Und plötzlich darf alles raus.
Das ist für Mamas manchmal unglaublich unfair. Denn man bekommt nicht immer das fröhlichste Kind zurück, sondern oft das erschöpfte, überreizte, wütende oder traurige Kind.
Aber vielleicht ist genau das auch ein Zeichen von Vertrauen.
Ein Kind zeigt seine ungefilterten Gefühle oft nicht dort, wo es am bequemsten ist.
Sondern dort, wo es sich am sichersten fühlt.
Merksatz:
Kinder zeigen ihre größten Gefühle oft bei den Menschen, bei denen sie sich am meisten gehalten fühlen.
Das macht den Moment nicht leichter. Aber es verändert den Blick darauf.
Denn dann geht es nicht mehr nur um die Frage:
Warum macht mein Kind das mit mir?
Sondern eher um:
Was braucht mein Kind gerade, um wieder bei sich anzukommen?
Wenn aus Wut wieder Nähe wird
Nach unserem Gefühlssturm war irgendwann wieder Ruhe da.
Wir haben gesprochen.
Wir haben gekuschelt.
Ich habe durchgeatmet.
Er auch.
Und dann war plötzlich wieder mein kleiner Schatz da.
Nicht mehr wütend.
Nicht mehr völlig außer sich.
Sondern angekommen.
Er schaute mich an und sagte sinngemäß:
„Mama, komm, wir tanzen.“
Also machten wir Musik an.
Wir tanzten. Wir sangen. Wir kuschelten. Aus der Wut wurde wieder Nähe. Aus dem Sturm wurde wieder Verbindung.
Und genau das war für mich der wichtigste Moment des Abends.
Nicht der Wutanfall.
Sondern das Danach.
Denn eine halbe Stunde vorher flogen noch Gefühle durch den Raum. Und jetzt war da wieder Lachen.
In solchen Momenten wird mir bewusst: Kinder können große Gefühle oft schnell hinter sich lassen, wenn sie nicht allein damit bleiben müssen.
Vielleicht war mein Sohn in diesem Moment wieder richtig zu Hause angekommen.
Nicht nur in unserer Wohnung.
Sondern auch in seinem Herzen.
Danach konnten wir gemütlich Abendbrot essen, langsam runterfahren und Richtung Bettchen gehen.
Und genau das möchte ich jeder Mama sagen, die nach so einem Moment erschöpft auf dem Sofa sitzt und sich fragt, ob sie alles falsch gemacht hat:
Ein Wutanfall erzählt nicht die ganze Geschichte.
Das Wichtigste passiert oft danach.
Wenn aus Tränen wieder Lachen wird.
Wenn aus Wut wieder Kuscheln wird.
Wenn aus „Du bist doof“ wieder „Mama, komm“ wird.
Wenn dein Kind zeigt: Ich bin wieder da.
Und vielleicht warst du in diesem Moment nicht die Mama, die alles falsch gemacht hat.
Vielleicht warst du einfach der sichere Ort, an dem endlich alles rausdurfte.
Was hinter den Gefühlsstürmen wirklich steckt
Vielleicht kennst du diesen Gedanken:
„Aber der Tag beim Papa war doch schön. Warum ist mein Kind ausgerechnet jetzt so wütend?“
Genau das habe ich mich auch schon oft gefragt.
Und je mehr ich mich mit der emotionalen Entwicklung von Kindern beschäftigt habe, desto mehr habe ich verstanden:
Ein schöner Tag und große Gefühle schließen sich nicht aus.
Im Gegenteil.
Gerade nach einem Tag voller neuer Eindrücke, gemeinsamer Erlebnisse und einem erneuten Abschied kann ein Kind innerlich völlig erschöpft sein.
Kinder wechseln nicht nur den Ort – sie wechseln ihre ganze Welt
Für uns Erwachsene bedeutet ein Besuch oft einfach:
„Jetzt fahre ich wieder nach Hause.“
Für Kinder ist dieser Wechsel viel größer.
Sie wechseln zwischen zwei Lebenswelten.
Vielleicht gibt es beim Papa andere Schlafenszeiten.
Andere Essenszeiten. Andere Regeln. Andere Rituale. Andere Stimmen. Andere Gerüche. Andere Erwartungen.
Das Gehirn eines Kindes muss sich jedes Mal neu orientieren.
Und genau das kostet unglaublich viel Energie.
Stell dir einmal Folgendes vor:
Du verbringst den ganzen Tag in einer völlig neuen Umgebung.
Du musst dich ständig anpassen.
Du möchtest niemanden enttäuschen.
Du nimmst unzählige Eindrücke auf.
Und am Abend musst du plötzlich wieder komplett umschalten.
Wahrscheinlich wärst auch du irgendwann erschöpft.
Für Kinder fühlt sich dieser Wechsel oft genauso an.
Warum Kinder Gefühle oft erst später zeigen
Viele Erwachsene erwarten, dass Kinder ihre Gefühle sofort ausdrücken.
Doch bei Kindern funktioniert das häufig ganz anders.
Oft passiert zuerst das Gefühl.
Erst viel später verstehen sie überhaupt, was gerade in ihnen los war.
Deshalb kann ein Kind zunächst:
- schreien,
- weinen,
- wütend werden,
- Dinge werfen,
- sich zurückziehen,
- anhänglich sein,
… und erst danach merken:
„Eigentlich habe ich Papa vermisst.“
Oder:
„Ich war einfach traurig.“
Oder sogar:
„Ich weiß gar nicht, warum ich wütend war.“
Und genau deshalb hat mich dieser Satz meines Sohnes so bewegt.
Er war ehrlich.
Er wusste es wirklich nicht.
Das kindliche Gehirn ist noch mitten in der Entwicklung
Kinder erleben Gefühle genauso intensiv wie Erwachsene.
Manchmal sogar noch intensiver.
Der große Unterschied ist:
Sie können sie noch nicht so gut steuern.
Der Bereich im Gehirn, der beim Einordnen von Gefühlen, beim Nachdenken und beim Impulse-Kontrollieren hilft, entwickelt sich noch über viele Jahre hinweg.
Deshalb reagieren Kinder häufig zuerst mit ihrem Herzen – und erst später mit ihrem Kopf.
Das erklärt, warum aus einem kleinen Auslöser plötzlich ein riesiger Gefühlssturm werden kann.
Nicht, weil das Kind „übertreibt“.
Sondern weil sein Gehirn in diesem Moment schlicht überfordert ist.
Merksatz:
Kinder machen dir das Leben nicht schwer. Sie haben gerade selbst einen schweren Moment.

Warum ausgerechnet Mama alles abbekommt
Diese Frage stellen sich viele Mamas.
Und ehrlich gesagt habe ich sie mir auch schon gestellt.
Warum klappt beim Papa scheinbar alles – und bei mir explodiert mein Kind?
Die Antwort ist oft viel liebevoller, als sie sich zunächst anfühlt.
Kinder zeigen ihre größten Gefühle häufig dort, wo sie sich am sichersten fühlen.
Nicht, weil sie Mama ärgern möchten.
Sondern weil sie dort keine Rolle spielen müssen.
Sie dürfen traurig sein.
Sie dürfen laut sein.
Sie dürfen weinen.
Sie dürfen wütend sein.
Sie dürfen zusammenbrechen.
Denn sie vertrauen darauf, dass Mama bleibt.
Das bedeutet natürlich nicht, dass Grenzen unwichtig sind.
Ein Kind darf keine Menschen verletzen oder Dinge kaputt machen.
Aber hinter dem Verhalten steckt oft kein böser Wille – sondern ein überfordertes Nervensystem.
Vermissen kann gleichzeitig mit Liebe existieren
Ein Gedanke hat mir besonders geholfen.
Wenn mein Sohn sagt:
„Ich vermisse Papa.“
Dann bedeutet das nicht automatisch:
„Ich möchte lieber bei Papa sein.“
Kinder können mehrere Gefühle gleichzeitig empfinden.
Sie können sich auf Mama freuen.
Und trotzdem Papa vermissen.
Sie können einen wunderschönen Tag beim Papa gehabt haben.
Und trotzdem traurig über den Abschied sein.
Sie können Mama lieben.
Und Papa genauso.
Für uns Erwachsene klingt das logisch.
Für Kinder fühlt es sich manchmal wie ein Gefühlschaos an.
Auch Müdigkeit spielt eine große Rolle
In unserem Fall kam noch etwas dazu.
Mein Sohn hat plötzlich aufgehört, im Kindergarten Mittagsschlaf zu machen.
Zu Hause schläft er manchmal noch.
In der Kita aber nicht mehr.
Das klingt nach einer Kleinigkeit.
Kann aber einen riesigen Unterschied machen.
Denn ein müdes Kind hat oft viel weniger Kraft, seine Gefühle zu regulieren.
Kommen dann noch ein aufregender Papa-Tag, viele Eindrücke und der Abschied dazu, reicht manchmal schon ein kleiner Auslöser.
Nicht weil das Kind schwierig ist.
Sondern weil sein innerer Akku einfach leer ist.
Vielleicht braucht dein Kind gerade keine Lösung
Als Mama möchten wir oft sofort helfen.
Wir erklären.
Wir fragen nach.
Wir suchen den Grund.
Doch manchmal brauchen Kinder gar keine schnelle Lösung.
Sie brauchen zuerst jemanden, der ihre Gefühle mit aushält.
Nicht jedes „Ich vermisse Papa“ muss sofort beantwortet werden.
Manchmal reicht ein ruhiges:
„Ich weiß. Du hattest heute eine schöne Zeit mit Papa. Vermissen fühlt sich manchmal richtig schwer an. Ich bin jetzt bei dir.“
Denn bevor Kinder ihre Gefühle verstehen können, müssen sie sich erst einmal sicher fühlen.
Und genau dort beginnt emotionale Begleitung.
Was du tun kannst, wenn dein Kind nach dem Papa-Besuch einen Gefühlssturm hat
Vielleicht hast du beim Lesen bis hierhin schon gemerkt:
Du kannst die Gefühle deines Kindes nicht verhindern.
Aber du kannst ihm helfen, gut durch sie hindurchzukommen.
Und genau das ist eine der wichtigsten Aufgaben, die wir als Eltern haben.
Nicht, jedes Problem zu lösen.
Sondern unser Kind dabei zu begleiten.
1. Erinnere dich: Hinter dem Verhalten steckt ein Gefühl
Wenn dein Kind schreit, weint oder Dinge wirft, wirkt das Verhalten oft wie das eigentliche Problem.
Doch häufig ist es nur die Spitze des Eisbergs.
Darunter liegen Gefühle wie:
- Traurigkeit
- Vermissen
- Überforderung
- Müdigkeit
- Enttäuschung
- Unsicherheit
Je eher du versuchst, das Gefühl hinter dem Verhalten zu sehen, desto leichter fällt es dir, ruhig zu bleiben.
Merksatz: Hinter jedem Verhalten steckt ein Bedürfnis oder ein Gefühl.
2. Gefühle dürfen da sein – Grenzen trotzdem auch
Verständnis bedeutet nicht, alles zu erlauben.
Wenn dein Kind Spielsachen wirft oder jemanden schlägt, darfst du liebevoll eingreifen.
Zum Beispiel:
„Ich sehe, dass du gerade sehr wütend bist. Aber ich lasse nicht zu, dass Dinge geworfen werden.“
Oder:
„Du darfst wütend sein. Ich passe aber auf, dass niemand verletzt wird.“
So lernt dein Kind:
Alle Gefühle sind erlaubt. Aber nicht jedes Verhalten.
3. Nicht jede Wut braucht sofort eine Erklärung
Eine der häufigsten Fragen ist:
„Warum bist du denn jetzt so wütend?“
Doch gerade kleine Kinder können das oft gar nicht beantworten.
Manchmal ist Schweigen hilfreicher als viele Fragen.
Du kannst stattdessen sagen:
- „Ich bin bei dir.“
- „Das war gerade ganz schön viel.“
- „Wir schaffen das zusammen.“
- „Du musst das gerade nicht alleine aushalten.“
Diese Sätze schenken Sicherheit – ganz ohne Druck.
4. Manchmal hilft Nähe mehr als Worte
Nicht jedes Kind möchte in einem Gefühlssturm sofort kuscheln.
Aber viele Kinder suchen nach einiger Zeit von selbst wieder die Nähe.
Genau so war es auch bei uns.
Nachdem die Wut langsam nachließ, kam mein Sohn auf mich zu.
Er wollte kuscheln.
Dann tanzen.
Dann Musik hören.
Dann lachen.
In diesem Moment brauchte er keine langen Erklärungen mehr.
Er brauchte einfach wieder Verbindung.
Und genau dort beginnt oft die eigentliche Heilung.
5. Vergiss dich selbst dabei nicht
Ich weiß, wie schwer das ist.
Wenn dein Kind schreit und du innerlich selbst kurz vor dem Explodieren bist, fühlt sich jeder gut gemeinte Ratschlag plötzlich weit weg an.
Auch ich bin in solchen Momenten nicht immer die Mama, die ich gerne wäre.
Manchmal werde ich laut.
Nicht, weil ich meinen Sohn nicht liebe.
Sondern weil auch mein Nervensystem an seine Grenze kommt.
Und weißt du was?
Das macht mich nicht zu einer schlechten Mama.
Es macht mich zu einem Menschen.
Wenn du merkst, dass du kurz vor dem Überkochen bist, darfst du dir einen Moment nehmen.
Einmal tief durchatmen.
Kurz bis zehn zählen.
Einen Schluck Wasser trinken.
Oder – wenn dein Kind sicher ist – für einen kurzen Moment aus dem Raum gehen, um selbst wieder ruhiger zu werden.
Denn du kannst deinem Kind nur dabei helfen, seine Gefühle zu regulieren, wenn du deine eigenen Gefühle ebenfalls wahrnimmst.
6. Wenn du laut geworden bist
Vielleicht kennst du dieses schlechte Gewissen.
Der Moment ist vorbei.
Dein Kind spielt schon wieder.
Und du denkst:
„Warum bin ich nur laut geworden?“
Bitte glaube mir:
Keine Mama reagiert immer perfekt.
Entscheidend ist nicht, dass wir niemals Fehler machen.
Entscheidend ist, dass wir danach wieder Verbindung schaffen.
Du kannst zum Beispiel sagen:
„Es tut mir leid, dass ich gerade laut geworden bin. Ich war selbst überfordert. Das war nicht in Ordnung. Lass uns zusammen neu anfangen.“
Damit zeigst du deinem Kind etwas unglaublich Wertvolles:
Auch Erwachsene machen Fehler.
Und sie dürfen Verantwortung dafür übernehmen.
Kinder lernen daraus viel mehr als aus Perfektion.
7. Der wichtigste Moment kommt oft nach dem Wutanfall
Viele Mamas denken, der Wutanfall sei das eigentliche Problem.
Ich glaube heute etwas anderes.
Der wichtigste Moment beginnt erst danach.
Wenn wieder Ruhe einkehrt.
Wenn ihr miteinander sprecht.
Wenn ihr kuschelt.
Wenn ihr gemeinsam Abendbrot esst.
Wenn plötzlich wieder gelacht wird.
Genau dort wächst Vertrauen.
Nicht, weil nie etwas passiert ist.
Sondern weil ihr gemeinsam hindurchgegangen seid.
Merksatz: Verbindung entsteht nicht dadurch, dass es keine Konflikte gibt. Verbindung entsteht dadurch, dass wir nach Konflikten wieder zueinander finden.
Checkliste: Das kann deinem Kind nach dem Papa-Besuch helfen
✔️ Zeit zum Ankommen, ohne sofort viele Fragen zu stellen.
✔️ Einen kleinen Snack und etwas zu trinken anbieten – Hunger verstärkt oft große Gefühle.
✔️ Den Nachmittag möglichst ruhig beginnen.
✔️ Gefühle benennen, ohne sie zu bewerten.
✔️ Klare Grenzen setzen, wenn etwas geworfen oder jemand verletzt wird.
✔️ Nach dem Gefühlssturm bewusst wieder Nähe schaffen – kuscheln, lesen, Musik hören oder gemeinsam spielen.
✔️ Auch auf deine eigenen Bedürfnisse achten und dir selbst Mitgefühl schenken.
🌿 Was jetzt helfen kann
Nähe · Sicherheit · Zeit · Grenzen · Verbindung

Fazit: Dein Kind braucht keine perfekte Mama – es braucht dich
Wenn dein Kind nach dem Papa-Besuch wütend, traurig oder völlig überfordert ist, bedeutet das nicht, dass du etwas falsch gemacht hast.
Es bedeutet auch nicht, dass dein Kind dich weniger liebt.
Vielleicht zeigt es dir in diesem Moment einfach seine größten Gefühle, weil es weiß, dass es bei dir sicher ist.
Ja, diese Momente sind anstrengend.
Sie können wehtun.
Sie bringen uns manchmal an unsere eigenen Grenzen.
Und manchmal werden auch wir laut, obwohl wir es nie wollten.
Doch weißt du, was ich an diesem Nachmittag gelernt habe?
Nicht der Wutanfall hat unseren Nachmittag bestimmt.
Sondern das, was danach passiert ist.
Wir haben geredet.
Wir haben gekuschelt.
Wir haben getanzt.
Wir haben gelacht.
Und am Ende saßen wir gemeinsam beim Abendbrot, bevor wir den Tag gemütlich ausklingen ließen.
Genau darin steckt für mich die wichtigste Botschaft:
Ein schwieriger Moment entscheidet nicht über eure Beziehung. Liebe zeigt sich nicht darin, dass es nie Konflikte gibt – sondern darin, dass ihr immer wieder zueinander findet.
Wenn du diesen Artikel gelesen hast und dich in vielen Situationen wiedererkennst, dann möchte ich dir eines mitgeben:
Du bist nicht allein.
Und du bist viel öfter genau die Mama, die dein Kind braucht, als du selbst glaubst.
💛 Mama-Moment
Atmen · Durchhalten · Verzeihen · Neuanfang
💛 Ein Brief von Mama zu Mama
Liebe Mama,
vielleicht sitzt du gerade genauso da wie ich an diesem Abend.
Das Haus ist endlich ruhig geworden.
Dein Kind schläft.
Und während du den Tag noch einmal im Kopf durchgehst, fragst du dich, ob du heute genug warst.
Ob du geduldiger hättest sein müssen.
Ob du hättest ruhiger bleiben sollen.
Ob du etwas falsch gemacht hast.
Ich wünsche mir, dass du für einen Moment innehältst.
Denn ich möchte dir etwas sagen, das auch ich selbst immer wieder hören muss.
Du bist nicht die Summe deiner schwierigsten Momente.
Du bist nicht die fünf Minuten, in denen du laut geworden bist.
Du bist nicht der Wutanfall deines Kindes.
Du bist die Mama, die geblieben ist.
Die getröstet hat.
Die zugehört hat.
Die sich entschuldigt hat.
Die gekuschelt hat.
Die Musik angemacht hat.
Die getanzt hat.
Die gelacht hat.
Die ihr Kind nach einem Gefühlssturm wieder liebevoll in den Arm genommen hat.
Genau das wird dein Kind einmal in seinem Herzen behalten.
Nicht, dass alles immer perfekt war.
Sondern dass es sich bei dir sicher fühlen durfte – mit all seinen großen Gefühlen.
Und vielleicht braucht heute nicht nur dein Kind Mitgefühl.
Vielleicht brauchst auch du ein kleines bisschen davon.
Also sei heute genauso liebevoll mit dir selbst, wie du es jeden Tag mit deinem Kind versuchst.
Du machst das besser, als du denkst.
In Liebe,
Caro ❤️
Für alle Mamas, die jeden Tag ihr Bestes geben – auch an den Tagen, an denen sie glauben, es reicht nicht.





